LG Pankow - Blick in die Presse

 

http://www.welt.de/sport/fussball/article13613299/Hertha-Schiedsrichter-bewusstlos-geschlagen.html vom 22.9.2011

Hertha-Schiedsrichter bewusstlos geschlagen

In der Berliner Senioren-Landesliga hat ein Spieler vom TSV Helgoland nach seiner Hinausstellung einen Schiedsrichter per Faustschlag niedergestreckt.

Gerade erst erfuhr Bundesliga-Schiedsrichter Felix Zwayer von der Nachricht, dass er für die Fifa-Liste 2012 nominiert worden ist. „Somit ist Hertha BSC ab dem kommenden Jahr wieder im internationalen Profifußball vertreten“, vermeldete der Klub, für den Zwayer pfeift, beinahe ulkig.Rote karte
Foto: dpa/DPA
Dem Platzverweis vom Schiedsrichter folgte ein Fautschlag
Wenige Stunden später war die gute Laune dahin. Da wurde Gerald Bothe (50), auch er Mitglied von Herthas Schiedsrichtergruppe, beim Spiel der Senioren-Landesliga zwischen Medizin Friedrichshain und TSV Helgoland krankenhausreif geprügelt.
Fußballfans und Hooligans. Warum Gewalt?

Auf eine Gelb-Rote Karte wegen Reklamierens antwortete TSV-Stürmer Hakan Güngör in der 83. Spielminute mit einem Schlag ins Gesicht. Bothe wurde wohl sofort ohnmächtig, bewusstlos fiel er zu Boden. Er verschluckte seine Zunge, und nur das sofortige Eingreifen eines Medizin-Spielers, der ausgebildeter Rettungssanitäter ist, verhinderte am Freitag ein Ersticken des Schiedsrichters. Im Krankenhaus wurde ein Schädel-Hirn-Trauma ersten Grades sowie ein Blutgerinnsel im Kopf festgestellt.
Keine Erinnerung
Er sei „immer noch sehr schläfrig“, sagte Bothe am Montag. An die Attacke selbst hat er keine Erinnerung. Erst 30 Minuten später kam er in der Kabine wieder zu sich, nur aus Erzählungen weiß Bothe, dass er „auf eigenen Füßen dorthin gegangen“ sein soll.
Sünder Güngör (38) droht wegen seines Ausrasters erhebliches Ungemach. Bothe will Anzeige erstatten, und auch Bernd Schultz, Präsident des Berliner Fußball-Verbandes (BFV), hofft, „dass die Staatsanwaltschaft ihre Arbeit macht. So etwas muss verfolgt und bestraft werden, wir werden das mit allen Mitteln unterstützen“.
Vom BFV wurde Güngör außerdem mit einer Sofortsperre belegt, die ihn bis zur Verhandlung vor dem Sportgericht aus dem Verkehr zieht. „Solche Leute haben bei uns nichts zu suchen“, sagte BFV-Vizepräsident Gerd Liesegang, der vor vielen Jahren die AG Fairplay gegründet hat.
Hartes Urteil gefordert
„Ich fordere ein hartes Urteil“, sagte Bothe der "Berliner Morgenpost" – und dürfte Gerechtigkeit erfahren. Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, woran kaum ein Zweifel besteht, wird Güngör wohl auf der „Schwarzen Liste“ landen. Bei einer solchen lebenslangen Sperre darf ihn bundesweit kein Verein mehr aufnehmen.
Um ein solches Strafmaß zu ermöglichen, hat der TSV Helgoland Güngör nach Rücksprache mit dem BFV nicht sofort ausgeschlossen, sondern nur suspendiert. Ein vereinsloser Spieler hätte nicht vom Sportgericht belangt worden können.
Gerald Bothe wird nach seiner Genesung wieder Spiele leiten. Auch auf dem Gelände von Medizin Friedrichshain, denn an sich, sagt er, mag er den Laskersportplatz unweit der Spree recht gern – obwohl er dort nun schon zum zweiten Mal Opfer eines Angriffs geworden ist. Auch Ende vergangener Saison kam es zu einem Spielabbruch, als ein von Bothe des Feldes verwiesener Torwart von Eichel Köpenick den Schiedsrichter verprügeln wollte. Ein anderer, der nur Gelb sah, wollte Bothe die Karte aus der Hand schlagen, traf ihn aber im Gesicht.


07.02.2011 Tagesspiegel

Männer stürmen Fußballplatz mit Waffen

Sonntagnachmittag auf dem Fußballplatz an der Gneisenaustraße: Ein Mann läuft während eines Bezirksligaspiels mit einer Machete bewaffnet auf das Spielfeld, sechs weitere folgen. Die Schiedsrichterin bricht die Partie sofort ab.

Wie erst an diesem Montag bekannt wurde, musste am Sonntagnachmittag ein Fußballspiel in Kreuzberg abgebrochen werden. Während der Partie BSC Eintracht Südring gegen 1.SV Galatasaray waren mehrere bewaffnete Männer auf das Spielfeld gerannt. Die Schiedsrichterin brach das Bezirksligaspiel auf dem Platz an der Gneisenaustraße sofort ab, verletzt wurde niemand. Vorausgegangen war eine Auseinandersetzung zwischen zwei Spielern, die sich mehrfach gefoult und beleidigt haben sollen.

Augenzeugenberichten zufolge soll der Vater eines der beiden Spieler, der unter den Zuschauern war, "wild rumtelefoniert" haben, woraufhin nach nur wenigen Minuten sechs bis sieben weitere Personen auftauchten und sich am Spielfeldrand formierten.

Als dann der Pausenpfiff ertönte, seien diese Personen auf das Spielfeld gestürmt, in Richtung des zuvor streitenden Galatasaray-Spielers. Mehrere von ihnen seien bewaffnet gewesen, einer schwang eine Machete mit circa 50 cm langer Klinge. Ein anderer hatte den Berichten zufolge eine Pistole im Gürtel.

Die anwesenden Zuschauer, darunter auch einige Kinder aus der Jugendabteilung von Eintracht Südring, versuchten, sich in Sicherheit zu bringen. Die Schiedsrichterin brach die Partie umgehend ab. Zu tätlichen Angriffen oder Verletzten kam es jedoch nicht, die Angreifer verschwanden nach nur kurzer Zeit, noch bevor die Polizei eintraf.

Die Beamten haben ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Bedrohung mit Waffen eingeleitet. Mit Verweis auf das schwebende Verfahren wollten sich die Verantwortlichen beider Vereine sowie die Schiedsrichterin auf Nachfrage des Tagesspiegels nicht zu den Vorfällen äußern. Dies sei mit Polizei und Fußballverband vereinbart worden, wie Eintracht Südring- Vorsitzender Manfred Adam mitteilte.

Laut Spielplan der Bezirksliga treffen die beiden Vereine schon am kommenden Wochenende erneut aufeinander. Ob diese Partie aber stattfinden kann oder möglicherweise verschoben wird, soll am Dienstag in einer Sitzung beim Berliner Fußballverband (BFV) entschieden werden, wie ein BFV-Sprecher mitteilte.

Rund 30 000 Amateurfußballpartien werden in Berlin pro Saison ausgetragen. Abgebrochen werden davon jährlich rund 70 Spiele; zwei Drittel davon wegen Gewalt oder Pöbeleien, seltener wegen Überforderung der Schiedsrichter oder akuter Lustlosigkeit, heißt es von Fußballfunktionären, etwa weil es 12:0 steht. Negativrekord der vergangenen Jahren war die Saison2001/2002, in der 109 Partien vorzeitig beendet worden sind.



03.12.2011 Berliner Fußball - Verband:

Empfang für ehrenamtliche Sporthelfer

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, hatte am Donnerstag ehrenamtliche Sporthelfer in den Großen Saal des Berliner Rathauses eingeladen. Unter den Gästen war auch der Schiedsrichter Torsten Rudolph.

Trotz kräftigen Schneefalls folgten rund 300 Personen der Einladung des Regierenden Bürgermeisters. „Es ist mittlerweile eine gute Tradition, dass wir zum Jahresende ehrenamtliche Sporthelfer aus unterschiedlichen Sportarten in das Rote Rathaus einladen. In diesem Jahr haben wir den Schwerpunkt auf den Fußball gelegt und ich freue mich, dass sie der Einladung gefolgt sind“, so Klaus Wowereit in seiner Begrüßungsrede.

Neben den Vertretern aus den BFV-Gremien waren auch viele Vereinsvertreter der Berliner Fußballvereine unter den Gästen. Dem Schiedsrichter Torsten Rudolph, der Mitte November einen Spieler durch Erste-Hilfe-Maßnahmen vor dem Erstickungstod bewahrte, wurde eine besondere Ehre zu teil. Klaus Wowereit bat den Unparteiischen auf die Bühne, um eine paar persönliche Worte an ihn zu richten: „Es ist bewegend, dass sie durch ihr beherztes Handeln einem jungen Mann das Leben gerettet haben. Ich danke ihnen dafür“, so der Regierende Bürgermeister, der Torsten Rudolph im Anschluss ein kleines Präsent im Form eines 'Buddy-Bären' überreichte.

Auch BFV-Präsident Bernd Schultz nutzte das Zusammenkommen, um dem 'Lebensretter mit Pfiff' im Namen der Berliner Fußballfamilie ein Präsent zu überreichen: „Ihr Einsatz war ohne Zweifel herausragend. Gemeinsam mit unserem Partner Stage Entertainment laden wir sie herzlich zur Preview des Udo Lindenberg-Musicals ’Hintem Horizont’ ein.“ Torsten Rudolph freute sichtlich über die Aufmerksamkeiten, fügte aber hinzu: „Mein Handeln war nichts besonderes. Ich habe die Maxime, vor dem Spiel mit 22 Mann aufzulaufen und mit dem Abpfiff mit 22 Spielern den Platz zu verlassen. Das war in diesem Fall nicht anders", so der 43-jährige Reinickendorfer, der für seine amüsante Aussage Applaus erhielt.

Im Anschluss an die Begrüßungsreden kamen die ehrenamtlichen Sporthelfer zu einem gemütlichen Stehempfang zusammen. Auch der Regierende Bürgermeister mischte sich unter die Anwesenden, um mit den Ehrenamtlichen ins Gespräch zu kommen.

Kevin Langner
 
 


Berliner Zeitung 18.3.2010
Fall Amerell beschäftigt weiter die Gerichte
Fussball. Das Landgericht Augsburg hat gegen DFB - Präsident Theo Zwanziger eine einstweillige Verfügung erlassen. Dieser darf die Affäre um Referee Kempter nicht mit den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche vergleichen. Zwnaziger hatte gesagt: "Nur durch den Mut von Herrn Kempter konnten wir die Missstände aufdecken und können nun darauf reagieren. In anderen Bereichen dauert es bis zu 40 Jahre, ehe sich die Leute zu so etwas äußern." Das Landgericht Köln wiederum hat gegen den in die Affäre verwickelten Schiedsrichtersprecher Manfred Amerell eine einstweilige Verfügung erlassen und damit dem Antrag von Kempter entsprochen. Amerell wurde es verboten, private emails oder SMS von Kempter an ihn zu veröffentlichen oder zu verbreiten. 

Berliner Zeitung 11.3.2010
DFB will Amerell wegen Verleumdung verklagen
Im Schiedsrichterskandal hat der Deutsche Fußball - Bund (DFB) gestern Abend eine Verleumdungsklage gegen den früheren Referee Manfred Amerell angekündigt. Amerell hatte zuvor DFB - Boss Theo Zwanziger vorgehalten, er habe die Karriere eines Schiedsrichters aus seinem Heimatklub gefördert. Amerell wird vorgeworfen, Nachwuchsschiedsrichter sexuell belästigt zu haben.

 

 Berliner Zeitung 4.März 2010

Die Gilde der Schiedsrichter hat in den vergangenen Wochen nicht unbedingt zur Verbesserung des eigenen Rufes beitragen, deshlab ist Lutz Michael Fröhlich deshalb ist Lutz Michael glücklich, mal wieder einen Standpunkt beziehen zu können, für den ihm der Beifall der Branche gewiss ist. "Wenn der Chip im Ball einwandfrei funktioniert, dann befürworten wir die Einführung dieser Technik", sagt der Leiter der Schiedsrichterabteilung des Deutschen Fußball-Bundes, und am Samstag ergibt sich tatsächlich eine Chance zur Umsetzung dieses Wunsches. In Zürich tagt das International Football Association Board (IFAB), jene Instanz, die über alle Änderungen im Regelwerk entscheidet und unter Tagesordnungspunkt IV "Diskussionen und Entscheidungen" taucht der Chip im Ball auf.

Die Firma Cairos hat gemeinsam mit Adidas, deren Bälle mit der Technik ausgestattet werden können, eine kleine Präsentation vorbereitet, die Hüter des Regelwerks haben darum gebeten, "auf den neuesten Stand gebracht zu werden", sagt Oliver Braun, Marketingchef von Cairos. Gemeinsam mit der großen Mehrheit der Spieler, Trainer und Schiedsrichter hofft der Münchner Unternehmer darauf, dass sich das Gremium begeistern lässt von der Technik, mit der zweifelsfrei ermittelt werden kann, ob der Ball die Torlinie überschritten hat oder nicht. Beim ersten Auftritt von Cairos vor zwei Jahren ließ sich das Gremium allerdings nicht überzeugen, dabei ist das System bei der Klub-WM 2007 erfolgreich getestet worden, "und absolut zuverlässig", sagt Braun. Mitlerweile wurde das System noch vereinfacht, der Einbau in ein Stadion ist in einem Tag erledigt.
"Früher oder später werden wir die Technik so oder so einsetzen", glaubt Braun, "spätestens nach einem zweiten Wembley-Tor in einem richtig großen WM-Spiel." Vielleicht gelingt aber schon am Samstag der Durchbruch. "Vor zwei Jahren haben die das im Augenblick laufende Pilotprojekt mit zwei zusätzlichen Torrichtern in der Europa League angeregt", sagt Braun. Die IFAB ist eben ziemlich unberechenbar, oder vielleicht sollte man besser sagen: beeinflussbar. Denn der Wunsch nach unzweifelhafter Klarheit ist nicht das einzige Argument im Prozess der Urteilsfindung. Wie überall, wo weitreichende Entscheidungen getroffen werden, sind auch in diesem Fall eifrige Lobbyisten zu Gange.
Das Torrichterprojekt, das auch auf der Tagesordnung, ist eine Idee von Michel Platini. Der Präsident des europäischen Kontinentalverbandes (Uefa) hängt an seiner Erfindung, denn seine Macht ist abhängig von der Zustimmung kleiner Fußballnationen. Unn wenn in den Europapokal - Wettbewerben sechs statt vier Schiedsrichter zum Einsatz kommen, ergibt sich für Verbände wie Albanien, Bosnien oder Moldawien eine erheblich größere Präsenz auf der glamourösen Bühne des europäischen Spitzenfußballs. 'Wenn wir Entscheidungen der Technik überlassen, steuern wir auf ein Desaster zu', hat der Franzose Platini noch im  vorherigen November in einem Interview erklärt, eine schlüssige Begründung für seine Ablehnung des Chips war bislang allerdings nicht  zu hören.
Adidas kontra Nike
Auf der anderen Seite agiert der mächtige Adidas-Konzern mit seinen engen Verbindungen zur Fifa. Der Sportartikelhersteller könnte mit der Einführung des Chips im Ball die eigene Vormachtstellung auf dem Segment der Spielbälle weiter festigen.  In der Bundesliga wird ab der kommenden Saison ohnehin in allen Stadien mit Adidas - Bällen gespielt, in den topligen Englands, Italiens und Spanien hingegen die Modelle von Nike zum Einsatz. Der amerikanische Konkurrent Nike kann die patentierte Chip-Technik nicht liefern und müsste wahrscheinlich teure Lizenzen von Adidas erwerben. Oder dem deutschen Konzern den Vortritt lassen. 'Natürlich spielen bei solchen Entscheidungen auch sportpolitische Interessen eine Rolle' sagt ein hoher Schiedsrichterfunktionär vor dem IFAB - Meeting.
Die deutschen Unparteiischen fürchten eine Fortsetzung des Torrichterprojektes aus ganz praktischen Gründen. 'Es ist fraglich, ob es sinnvoll ist, eine zusätzliche menschliche Komponente einzuführen, die auch wieder Fehler machen kann', hat Knut Kircher zur Einführung des Projektes erklärt. Er ist einer der beiden deutschen Schiedsrichter, die während der Versuchszeit in der Europa League pfeifen. Und irgendwann im Dezember in Moskau bei minus 14 Grad fast beschäftigungslos neben dem Tor auszuharren, ist auch eine ziemlich unangenehme Vorstellung, findet ein deutscher Schiedsrichter, der froh ist, nicht in der Europa League eingesetzt zu werden."

 

München.Der Deutsche Fußball - Bund (DFB) wird am Donnerstag mit sechs am gestrigen Sonntag unterschriebenen Eidesstattlichen Erklärungen in die Anhörung beim Münchner Landgericht im Fall Manfred Amerell / Michael Kempter gehen. Am Sonntag stellten sich neben Kempter vier weitere junge Schiedsrichter in einem Pressegespräch in einem Münchner Hotel und informierten erstmals öffentlich über das, was sie bereits am 10.,11. und 12.Februar in DFB - internen Anhörungen preis gegeben hatten. Drei der Unparteiischen sagten, sie seien persönlich über einen längeren Zeitraum Opfer von Amerell Annährungsversuchen gewesen. Ein weiterer Referee berichtete, er habe eine Annährung Amerells an einen jungen Schiedsrichter beobachtet.
Alle vier waren am Sonntagnachmittag nur unter der Voraussetzung  bereit, in einem Kreis mit vier Medienvertretern zu sprechen, nachdem diese ihnen zuvor Anonymität versprochen hatten. Ein Schiedsrichter lieferte den Grund: 'Wir sind Famileinväter, wir haben ein Privatleben, das wir schützen wollen.'
Die Unparteiischen hatten sich vor Wochen an den ehemaligen Bundesliga - Schiedsrichter Franz - Xaver Wack gewandt und um Hilfe gebeten. Wack, heute Zahnarzt in München, hatte dann anch eigenen Angaben DFB - Präsident Theo Zwanziger kontaktiert. Man kam überein, dass der DFB ein Expertenteam zur juristischen, medialen und psychologischen Unterstützung der betroffenen Schiedsrichter bldet. Dieses Betreuerteam besteht ais DFB - Justiziar Jörg Englisch, dem Medienanwalt Christian Schertz sowie dem Nationalmannschafts - Psychologen Hans - Dieter Hermann. Alle drei waren am Sonntag beim Pressegespräch ebenfalls dabei und werden die Schiedsrichter weiter unterstützen. Hermann sagte: 'Ich bringe mich sehr, sehr gerne ein.'
Nach Darstellung des DFB ist im Fall Amerell 'das Bild der Annährungen überall identisch' gewesen. Es deute viel auf ein 'System Amerell' hin, möglicherweise, ließ Wack durchblicken, stünden noch weitere Personen im Fokus, es könnte sich 'um ein komplexes Netzwerk' handeln, 'wir wissen selbst nicht, ob wir schon am Ende sind'. Alle Betroffenen hätten Angst um ihre sportliche und berufliche Karriere gehabt, sie hätten eine Mischung aus Bevorteilung, Repressalien und Annährung erlebt. Sie hätten sich entweder körperlich zur Wehr gesetzt oder aber deutlich gemacht, dass sie nicht einverstanden sind. Ein Schiedsrichter berichtete, dass Amerell ihm im Vorfeld Einsicht in die Antworten eines Regeltests gegeben habe. Danach seien 'Liebkosungen' aufgenommen worden. Ein anderer sagte, Amerell habe 'sein Leben in den letzten Jahren so was von kaputt gemacht'. Er sei Kempter dankbar für dessen mutigen Schritt: "Mir als No - Name hätte niemand helfen können, weil mir niemand geglaubt hätte.'
Der frühere Schiedsrichter Wack berichtete, er habe bereits im Jahr 2005 erstmals Verdacht gegen Amerell geschöpft. Er habe seinerzeit sowohl mit dem Vorsitzenden des Schiedsrichter - Ausschusses, Volker Roth, Kontakt aufgenommen als auch mit Amerells Ehefrau Margit und darauf hingewiesen, dass es Hinweise für Amtsmissbrauch bei Manfred Amerell gebe. Es sei deshalb vor fünf Jahren bei einer Sitzung des Süddeutschen Fußballverbandes bereits 'zur Eskalation' gekommen. Die Neigungen Amerells seien 'in der Schiedsrichterszene lange bekannt gewesen, sagte Wack. 'Ich habe versucht, als Freund der Familie mit seiner Frau zu sprechen und ihr zu sagen, was sie nicht wissen wollte.' Auch Volker Roth habe nicht reagiert und den Verdacht 'abgetan'.
Wacks Erschütterung
Als ihm nun fünf Jahre später das ganze Ausmaß der Affäre gewahr worden sei, habe er umgehend Schritte eingeleitet, sagte der 44 - jährige Wack, der seit zweieinhalb Jahren kein offizielles Amt im Schiedsrichterwesen mehr ausfüllt: 'Ich war erschüttert. Das Nicht - mehr - Hinsehen und Nicht - mehr - Hinhören muss ein Ende haben.' Amerell, so berichtete ein Schiedsrichter, habe sich 'seine Lieblinge so geschaffen, wie er es wollte, und wenn man nicht ins Raster gepasst hat, dann konnte man auch sehr schnell weg sein'.
DERDFB hat die Eidesstattlichen Erklärungen als, so Fachanwalt Schertz, 'Glaubenhaftmachungsmittel' eingeholt, um am Donnerstag vor Gericht in der Bweisführung eindringlicher argumentieren zu können. Die Erklärungen seien von DFB - Justiziar Englisch, der den DFB gemeinsam mit Schertz vor Gericht vertreten wird, 'absolut freiwillig und unabhängig voneinander' unterschrieben worden, 'obwohl sie wissen, dass es eine Einschränkung der Lebensqualität bedeuten könnte'.

Berliner Zeitung 18.2.2010
"Vertrauensmänner dringend gesucht

Der ehemalige Fifa - Referee Herbert Fandel soll nach dem Fall Amerell das Schiedsrichterwesen neu strukturieren
Frankfurt A.M. Nadhdem der Deutsche Fußball - Bund (DFB) die Akte Amerell interngeschlossen hat, macht sich Präsident Theo Zwanziger für die Rehabilitierung von Bundesliga - Referee Michael Kempter sowie eine Reform des Schiedsrichterwesens stark. Zwanziger selbst sieht sich allerdings scharfer Kritik von Manfred Amerells Anwalt Jürgen Langer ausgesetzt. Zwnaziger liegt unter anderem der Ruf von Kempter sowie den vier weiteren Unparteiischen, die Amerell schwer belastet hatten, am Herzen. "Sie haben mutig entschieden, Vorgänge öffentlich zu machen, über die zu lange geschwiegen wurde. Schiedsrichter wie Michael Kempter verdienen unseren höchsten respekt, und ich hoffe sehr, dass er von allen Fußballfans die uneingeschränkte Unterstützung bekommt, die er verdient hat", sagt Zwanziger in einer DFB - Erklärung. Bis auf Weiteres ist Fifa - Referee Kempter aber von allen Liga - Spielen freigestellt.
Zwar betonte Zwanziger, dass es unzulässig sei, die betroffenen Personen in den Kontext Homosexualität zu stellen, trotzdem plädiert der 64 - Jährige erneut für einen offenen Umgang mit dem Thema: "Wir wollen nicht, dass sexuelle Orientierung diskriminiert wird. Gerade durch mehr Offenheit im Umgang mit diesem Thema können wir künftig verhindern, dass Dinge heimlich passieren oder tabusiert werden." Als Lehre aus dem Fall des ehemaligen Schiedsrichtersprechers Amerell will der DFB das Schiedsrichterwesen neu strukturieren. "Zu den dringendsten Maßnahmen wird eine Reform des derzeit praktizierten Beobachtungssystems gehören, das die Begleitung und die Bewertung eines jungen Schiedsrichters über einen langen Zeitraum durch eine einzelne Person zur Folge haben kann," hieß es in der Erklärung des Verbandes.
Das Ziel der Umstrukturierung soll unter anderem sein, "Abhängigkeitsver-hältnissen effektiver vorzubeugen". Dazu soll auch ein Vertrauensmann eingesetzt werden. "Wir wollen ein starkes Schiedsrichterwesen, in dem Fehlverhalten Einzelner nicht systematisch unter den Teppich gekehrt werden kann", sagte Zwanziger.
Erstmals wich der DFB öffentlich von Schiedsrichter - Boss Volker Roth ab, der die Vorwürfe gegenüber Amerell erst mit einem Monat Verspätung an Zwanziger weitergeleitet hatte. Die Einschätzung von Vizepräsident Rainer Koch, der sich übergangene gefühlt und seine Zuständigkeit im Präsidium für das Schiedsrichterwesen abgegeben hat, sei "zutreffend", stellte der DFB fest. Roths designierter Nachfolger Herbert Fandel soll nun in einer Kommission mit Helmut Krug als Vertreter der Deutschen Fußball - Liga (DFL), dem für das Schiedsrichterwesen zuständigen DFB - Direktor Stefan Hans und dem ABteilungsleiter Schiedsrichterwesen, Lutz Michael Fröhlich, Änderungsvorschläge für das Schiedsrichterwesen erarbeiten.
Vorwürfe gegen Zwanziger
Das alles müsse "möglichst schnell" geschehen, erklärte Fandel: "Es muss aus meiner Sicht sehr schnell Alltag einkehren." Eines ist für den EM - Schiedsrichter von 2008, der im vergangenen Sommer seine Bundesliga - Karriere beendet hatte, klar: "Mit Sicherheit wird das Beobachtungswesen einer Prüfung unterzogen." Einen ersten Vorschlag hat Fandel bereits unterbreitet. Um "mehr Offenheit und Transparenz" zu erlangen, habe er angeregt, dass die Bundesliga - Referees zweimal im Jahr ein Treffen mit der Liga und den Trainern abhalten sollen. Er betonte: "Wir wollen die aktiven Schiedsrichter in die Entscheidungsprozesse einbeziehen."
Während der DFB gegen Amerell klar Stellung bezog, erhob Amerells Anwalt Langer schwere Vorwürfe gegen den Verband und Zwanziger. Langer bezeichnete die DFB - Pressemitteilung als "Skandal" und kündigte die Prüfung von zivilrechtlichen Schritten an. Um die Ablehnung der Akteneinsicht zu überprüfen, habe er das DFB - Sportgericht angerufen. Amerell bestreitet weiter jegliche Vorwürfe.


Fußball - Woche 16.Februar 2009
" 'BFV  leistet effektivste Arbeit'
Internationaler Fairplay - Preis erhält Ehrenplatz im 'Haus des Fußballs'
Für seine langjährige und nachhaltige Arbeit auf dem gebiet der Gewaltprävention und des Fairplay ist der Berliner Fußball - Verband vor kurzem in Istanbul mit dem Fairplay - Diplom 2008 des beim IOC angesiedelten Internationalen Fairplay - Comittees (CIFP) ausgezeichnet worden. Die Ehrung nahmen der Präsident des BFV, Bernd Schultz, und dessen Vizepräsident Gerd Liesegang entgegen.
FuWo:Herr Liesegang, was beinhaltet das Event Istanbul?
Gerd Liesegang:Jährlich werden von dem in Budapest ansässigen Weltkomitee an Einzelpersonen und Gruppen Fairplay - Auszeichnungen vergeben. Mit der Willi - Daume - Trophy wurde die UEFA für ihre Verdienste um die EM 2008, für unser langjähriges Engagement bei der Gewaltprävention der BFV mit einem Diplom geehrt, das im Haus des Fußballs seinen Ehrenplatz finden wird. Den Vorschlag hatte CIFP - Vizepräsident Nprbert Müller eingereicht. Eine von ihm als Professor der Uni Mainz in Auftrag gegebene Studie hatte ergeben, dass Berlin die effektivste und nachhaltigste Arbeit auf diesem Gebiet in Deutschland leistet.
Worin besteht für Sie die Motivation, sich auf diesem Gebiet so intensiv zu engagieren?
Liesegang: Als Trainer und Jugendleiter beim SC Berliner Amateure, dem ich seit 1977 angehöre, habe ich vor Jahren am eigenen Körper Gewalt erfahren.  Das kann nicht der Sinn des Sports sein, sagte ich mir und begann 1988, mich mit diesem Problem zuzuwenden. Als teilweise belächelter Einzelkämpfer hob ich dann 1998 beim BFV die AG Fairplay aus der taufe. Heute weiß ich rund 40 Mitstreiter an meiner Seite. Wir pflegen eine enge Partnerschaft zur Polizei, der Landeskommission gegen Gewalt beim Senat, zum LSB, zur Sportjugend und zu Fanprojekten in der Jugendarbeit.
Wie sieht die praktische Arbeit der AG aus und mit welchen Ergebnissen?
Liesegang: An erster Stelle stehen die Antigewaltseminare. Rund 130 auffällig gewordene Jugendliche besuchten sie in den letzten Jahren - mit Auflagen und kostenpflichtig. Nur wer auch an ihnen teilnimmt, erhält wieder eine Spielgenehmigung. Wir gehen in die Vereine, um teilweise hilflosen und überforderten Funktionären und Trainern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Wir ringen um den Einsatz eines Sozialarbeiters in jedem Stadtbezirk. Erst am Wochenende stand ein Seminar mit Spielführern und Schiedsrichtern zwischen 15 und 19 Jahren auf dem Programm, um für ein Auftreten gegen Rassismus und zunehmenden verbalen Auseinandersetzungen zu werben. Die Ereignisse unserer Arbeit sind nicht messbar, aber jeder negative Vorfall ist für mich ein Rückschlag. Um aber erst recht auch das Positive herauszustellen, kennen wir beim BFV inzwischen die Faurplay - Geste des Monats mit der Auszeichnung für vorbildliches Verhalten auf dem Fußballplatz.
Inwieweit kann die AG auf die Mitarbeit und Unterstützung durch Vereine bauen?
Liesegang: Mit den Jahren ist sie immer umfassender geworden. Ob Hertha BSC, der 1.FC Union, der BFC Dynamo mit sogar einem Sozialarbeiter in der Jugendabteilung, ob der VfB Hermsdorf, der FC Nordost, Schwarz - Weiß Neukölln, der SC Borsigwalde, Türkiyemspor oder Dersimspor - sie alle leisten ihren beitrag was Prävention und Deeskalation betrifft, um Gewalt und Rassismus einzudämmen. Gleichgültigkeit gibt es aber auch noch.
Hat die AG im Jahre 2009 noch ein besonderes Projekt im Visier?
Liesegang: Nicht unbedingt ein Projekt, aber wir werden den Vereinen etwa im August eine DVD zur Verfügung stellen, die die Fairplay - Arbeit unterstützen soll. In mehreren Kapiteln werden auf ihr Szenen zum Thema nachgestellt, um sie vor den Mitgliedern auszuwerten und der Erziehungsarbeit in den eigenen reihen zu dienen. Wünschenswert übrigens wäre es, wenn sich manche der 45 Berliner Vereine mit Migrationshintergrund noch stärker in die Gemeinschaft einbinden würden. Auch bietet die AG ihre Unterstützung an."

Fußball - Woche 21.Juli 2008
Interview mit Helmut Husmann
"Nach herber Kritik zum Lehrgang
Schwere Verletzungen sind nicht ungewöhnlich. Todesfälle auf dem Spielfeld eher selten. Da ist es für einen jungen Schiedsrichter doch schon ein erheblicher Schock, wenn er mit so einem Ereignis konfrontiert wird. Helmut Husmann, der junge Unparteiische vom 1.FC Schöneberg, leitete ein Freundschaftsspiel der B - Junioren seines Vereins gegen den SV Empor, als ein Stürmer der Gäste nach einem Torerfolg umfiel und trotz aller Bemühungen von Betreuern und Notarzt verstarb. Der Schiri hatte daran lange Zeit zu knabbern,um diese Situation zu verarbeiten.
Im Alter von 5 Jahren nahm ihn sein fußballbegeisterte Vater mit zum Verein und meldete den Sprößling an. ALs i8n der C - Jugend ein Schiedsrichter nicht ganz so gut amtiert hatte, wie sich Helmut das dachte, kam es zum Disput. "Auf meine Kritik hin meinte er ich solle es doch selber mal versuchen." Und der junge Spieler fasste sich ein herz und meldete sich 2001 zum Schiedsrichterlehrgang an. Im ersten Spiel bei den D - Junioren merkte er dann, dass ein Spiel zu leiten doch nicht so einfach war als nur zu spielen. Aber weil es ihm Spaß machte, blieb er dabei und entschied sich 2005 nur noch für die Schiedsrichterei.
Inzwischen amtiert er in der Männer - Bezirksliga und bekam auch schon ein Probespiel in der Landesliga. Im Nachwuchsbereich durfte der jetzt 20 - Jährige beim Pokalendspiel der A - Junioren als Assistent an der Linie stehen.
In der Lehrgemeinschaft Kreuzberg kümmert er sich um die Patenschaftsarbeit. Seit einem Jahr zeichnet er sich für die 'Kreuzberger Trillerpfeife' verantwortlich. Die Berliner Schiedsrichterzeitung soll nach dem Ausscheiden von Carsten Voß und Dominik Höch weiter am Leben gehalten werden. Hoffen wir, dass es gelingt, denn nach Abitur und abgeleisteten Wehrdienst will Husmann ein Studium aufnehmen, um einmal Lehrer zu werden. Zurzeit laufen die Bewerbungen. Bis es soweit ist, verdient er als Kraftfahrer sein Geld. Der Sport und die Arbeit lassen wenig Zeit für andere Hobbys. Da ist er froh, wenn Freundin Marijke viel Verständnis für die Schiedsrichterei aufbringt."

Fußball - Woche
Interview mit Andy Weißenborn
"Topspiel ohne Assistenten
Soeben hat Andy Weißenborn seine fünfte Oberligasaison beendet. Und bevor der Schiedsrichter von Lichtenberg 47 die sechste anpfeift, wartet ein Highlight auf den gebürtigen Köpenicker. Weißenborn leitet am Mittwoch das Endspiel um den Berliner Pilsner-Pokal. 
Als Sprungbett in Richtung Regionalliga sieht der 25-Jährige das Finale aber nicht. 'Dieser Zug ist wohl abgefahren. Ich habe es ja nicht geschafft, in die Junioren-Bundesliga zu kommen.' Jetzt hofft er, dass die neue Oberliga nach der Spielklassenreform 'nicht so schwach wird wie von einigen erwartet'.
Der absolute Höhepunkt seiner Schiedsrichterkarriere ist das Pokalfinale aber nicht. Das war die Schulfußball-WM in Chile im April 2007, wo er u.a. das Eröffnungsspiel vor 8000 Zuschauern leitete. Ein weiteres "Topspiel" unter seiner Leitung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Als die deutsche Nationalmannschaft 2005 in Berlin weilte, wurde kurzfristig ein Testspiel gegen die A-Jugend von Hertha BSC vereinbart. Fünf Stunden vor Spielbeginn erfuhr er von seinem Einsatz. Weißenborn musste ohne Assistenten auskommen. 'Wörns und Mertesacker sollten bei Abseits immer die Hand heben, das hat ganz gut geklappt.'
Am Mittwoch stehen ihm natürlich zwei Assistenten zur Seite. Mit der fahne in der Hand laufen Kerem Gül (Hertha BSC), seit mehr als drei Jahren Weißenborns Partner in der Oberliga, und Martin Schwemin (SV Empor) auf. Als 'vierter Mann' fungiert Andreas Pretzsch (Hertha BSC).

Fußball - Woche
Interview mit Eberhard Bracklow
" 'Es gibt keine Patentrezepte' Interview mit Schiribeobachter Eberhard Bracklow
Die Gewalt auf den Fußballplätzen und der ausgelebte Frust einiger Spieler stellt auch die Schiedsrichter immer wieder vor erhebliche Probleme. Die Fragen der Antigewalt- und Sicherheitsprävention standen beim jüngsten Workshop der Schiedsrichterbeobachter im Mittelpunkt. Die neuen Beobachtungsrichtlinien des DFB und das Coaching der Schiris wurden den Berliner Schiedsrichter-Beobachtern unter dem Motto 'Die Beobachtung, ein Weg mit dem Ziel zum Erfolg' vermittelt. Dazu ein Gespräch mit Eberhard Bracklow (FC Hertha 03), Referent für das Schiedsrichter - Beobachtungswesen im Berliner Fußball - Verband.
Fuwo: Wie sind die Leistungen der Berliner Schiedsrichter bislang einzuschätzen?
Bracklow: Die gezielte Leistungsförderung der jungen Kader spiegelt sich in den Berufungen für den Regionalverband Nordost wieder. Der Berliner Verband verfügt über je einen Schiri in der Bundesliga, 2.Liga und Regionalliga sowie fünf Oberligareferees, dazu fünf überregional amtierende Frauen. Wir können zufrieden sein.
Wo liegen die Schwerpunkte in den Beobachtungen?
Bracklow:Bei der Beurteilung der Spielkontrolle, der Persönlichkeit des Schiedsrichters und der Handhabung von persönlichen Strafen. Gute Noten bilden die Grundlage für den Auf- und Abstieg der Schiedsrichter.
Beeinflusst Coaching das Leistungsniveau?
Bracklow: Coaching ergänzt die Spielbeobachtung durch fachliche und soziale Einflussnahme und wirkt auf Stärken und Schwächen des Schiris ein. Es ist ein Beitrag zur Persönlichkeitsbildung.
Die Schiedsrichterzahlen stagnieren. Wie sieht es bei den Beobachtern aus?
Bracklow: Wir haben 36 Schiedsrichterbeobachter plus einige noch amtierende Schiris im Einsatz.
Was rät der Aussschuss den Unparteiischen zur Vermeidung von Spielabbrüchen?
Bracklow: Strikte Beobachtung der Spielregeln und sinnvolle Auslegung derselben sowie die Durchsetzung der Handlungsanweisungen in Zusammenarbeit mit den beteiligten Vereinen.
Gewaltprobleme gibt es überwiegend in den unteren Klassen. Wie kann man die dort amtierenden Schiedsrichter besser vorbereiten?
Bracklow: Es gibt keine Patentrezepte. Regelsicherheit und konsequentes Verhalten des Spielleiters sollte von den Spielern und Betreuern am Spielfeldrand akzeptiert werden. Fehlleistungen auf beiden Seiten müssen freundschaftlich nach Spielschuluss ausdiskutiert werden. Leider fehlt es an der nötigen Toleranz.
Welche Anregungen gab es zur Verbesserung der Sicherheit am Spielfeldrand. 
Bracklow: Die Vereine müssen gezwungen werden, vor dem Spiel Ansprechpartner bekannt zu geben, die sich um die Ordnung außerhalb des Spielfeldes kümmern. Im Spiel sollten die Mannschaftskapitäne ihrer Rolle mehr gerecht werden. Sie sollten auf Heißsporne rechtzeitig einwirken, auch auf die, die außerhalb stehen.
Viele Aktionen wurden durch den Verband gestartet. Wie schätzen die Schiris diese ein?
Bracklow: Trotz vieler Initiativen können uns die Ergebnisse nicht zufrieden stellen. Wir bemühen uns, in den Lehrgemeinschaften die Aktionen zu unterstützen. Gewalt in der Öffentlichkeit färbt auch auf den Sport ab. Da sind alle weiterhin gefordert.
Die Unparteiischen sind oft die Leidtragenden von Frust und Gewalt. Fehlt es an Unterstützung von verband, vereinen und Sportgerichtsbarkeit?
Bracklow: Es ist zwar hilfreich, wenn Verbandsfunktionäre und Sportrichter ein Herz für die Schiedsrichter haben, aber in den Vereinen ist die Solidarität mit den Schiris nicht besonders ausgeprägt. Nicht nur auf dem Sportplatz, auch bei Gerichtsverhandlungen fehlt bei einigen Sündern die Einsicht. Junge Schiris müssen sich von Eltern und Betreuern anpöbeln lassen, ohne dass Funktionäre eingreifen. Und bei den Veranstaltungen zu diesen Themen fehlen dann ausgerechnet die, die ihren Umgang mit Schiris stark verbessern müssen."


Fußball - Woche 14.4.2008
Interview mit Alexander Molzahn
"Wie lautet ihr Zwischenfazit hinsichtlich der Schiedsrichterleistungen in der bisherigen Saison?
Ich bin durch aus zufrieden. Das kann ich anhand der mir vorliegenden Beobachtungsbögen, die die Schiedsrichter - Beobachter angefertigt haben, festmachen. Die dort erzielten Leistungen sind im Schnitt von gut bis sehr gut bewertet worden. Die erbrachte Leistung, die in den schlechten Bereich führt, ist eher selten. Von den ca. 100 Beobachtungen war nur sieben bis acht Mal die Note schlecht dabei.
Welche Schiedsrichter haben sich für höhere Aufgaben ausgezeichnet?
Davon zu sprechen, wäre jetzt noch verfrüht. Wir haben sicherlich vier oder fünf, die sich recht weit abgesetzt haben. Mit oben stehen momentan Nitschke (SSC Südwest), Fayad, Schad (beide 1.FC Wilmersdorf) und Lazarus (Stern Britz). Nennenswert sind auch Schmacher (Hertha BSC) und Husmann (1.FC Schöneberg), die dem team Leistungskader des Schiedsrichter - Wesen angehören. 
Seit Saisonbeginn werden den Vereinen Schiedsrichter - Bewertungskarten ausgehändigt - zufrieden mit dem Rücklauf?
Grundsätzlich ja. Ich wäre allerdings noch zufriedener, wenn sich alle Vereine daran beteiligen würden. Ich habe zur Halbserie eine Statistik erstellt: 24 von 48 Vereinen hatten gar keine einzigen Karten zurückgeschickt, was ich schon als traurig empfinde.
Was sind die Hauptkritikpunkte der Vereine - und wie reagieren sie darauf?
Die fokussieren sich eher in Disziplinarkontrolle, also zu viele Strafen, teilweise auch im Auftreten des Schiedsrichters und vereinzelt in der Zusammenarbeit zwischen Schiedsrichter und Schiedsrichterassistentin. Wir reagieren darauf grundsätzlich in der Beobachtungsauswertung und natürlich in ständige Gespräche, die ich mit den Schiris führe."

Fußball - Woche März 2008
"Fünf Rote Karten in einem Spiel
Schiedsrichterin: Katia Kobelt
Der Zuspruch der Frauen- und Mädchenfußball seit dem Gewinn der WM durch die deutsche Mannschaft bekommt, hält unvermindert an. Nur bei den Schiedsrichtern fehlt es an Nachwuchs. Das ist auch in Berlin so, obwohl sich Schirichef Gerhard Müller alle Mühe gibt, die Frauen in ihrem Werdegang zu unterstützen. Neben Inka Müller, aus Sachsen Anhalt stammend und jetzt Mitglied bei Hertha 03, ist  Angela Hahn in der 2.Bundesliga aktiv. Katia Kobelt stand bereits bei ihr an der Linie. Sie ist eine von vier Frauen, die überregional eingesetzt werden. Katia spielte zehn Jahre lang beim 1.Fc Union in der Verbands- und Regionalligamannschaft, ehe sie 2003 der Ehrgeiz packte, es auch als Schiedsrichterin zu versuchen.
Die 28 - Jährige ist familär 'stark vorbelastet',denn neben dem Vater schnürte auch Bruder Tobias die Töppen in Berlin und sogar Opa Gerhard war bei Werder Bremen aktiv. Sie alle sind stolz, dass Katia nach dem Abschied aus der Regionalliga auch als Schiedsrichterin in dieser Spielklasse ihren Weg geht.
Bei den Männern pfeift sie in der Bezirksliga. Aus dem Herrenbereich stammt auch das Negativerlebnis. Fünf Rote Karten in einer Partie, als die Spieler meinten, sie gehöre mehr an den heimischen Herd als auf den Fußballplatz. 'Allerdings war das eine Ausnahme, auch die Männer akzeptieren eine Frau als Spielleiterin, wenn die Leistung stimmt. Frauenspiele sind aber weniger aufregend.'
Katia steht auch beruflich ihren Mann. Nach Studium an der TU arbeitet sie als Diplomingeneurin für die Bahn. Obwohl sie in Lichtenberg wohnt, gehört sie dem SVM Gosen an. Durch den Fußball ist sie schon viel herumgekommen. Das trifft auch auf ihre neue Tätigkeit zu. 
Sportlicher Höhepunkt war im Dezember 2006 die Eröffnung des neu erbauten Stadions in Magdeburg. Als Assistentin von Inka Müller stand sie beim Spiel einer DFB - Traditionsmannschaft gegen den 1.FC Magdenburg an der Linie. '17.000 Zuschauer sorgten für eine tolle Stimmung und ein Foto mit Franz Beckenbauer sind Erinnerungen, die man so schnell nicht vergisst.' Die Schiedsrichterin investiert viel in ihr sportliches Hobby. Der regelmäßige Besuch eines Fitnessstudios gehört dazu." Kurt Gollub

Schiedsrichter Zeitung 01/08

Lutz Michael Fröhlich neuer Vorsitzender
Auf dem Verbandstag des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes wurde Lutz Michael Fröhlih (Berlin) für den nicht mehr kandidierenden Prof. Dr. Gerhard Mewes als Vorsitzender des Schiedsrichter-Ausschusses in den Vorstand gewählt. Unter Leitung des ehemaligen FIFA-Schiedsrichters, der auch Mitglied des DFB-Schiedsrichter-Ausschusses ist, sind alle sechs Landesverbände durch ihre Obleute Dieter Setzkorn (Mecklenburg-Vorpommern), Gerhard Müller (berlin), Heinz Rothe (Brandenburg), Klaus Ladwig (Sachsen-Anhalt), Harald sather (Sachsen) und Udo Penßler-Beyer (Thüringen) im obersten Schiedsrichter-Gremium des NOVF vertreten.

Dr. Markus Merk bei den Berliner Spitzen-Schiedsrichtern
Im Dezember 2007 hatte Teamchef Bodo Brandt-Chollé das Schidsrichter-Team Leistungskader in das Leistungszentrum ds Berliner Fußball-Verbandes nach wannsee eingeladen. Neben den zwölf hoffnungsvollsten Schiedsrichtern aus den oberen Spielklassen Berlins und der NOFV-Oberliga gehörten dem Team auch die jeweiligen Coaches an. Zuätzlich waren auch zwei Schiedsrichter vom Berliner Junioren-Leistungskader und ein Schiedsrichter vom befreundeten Luxemburgischen Fußballverband als Gäste dabei.
Die Schwerpunktthemen ds Lehrgangs waren "Persönlichkeit im Einklang mit Körpersprache" und "Der Weg zu einem Top-Schiedsrichter".
Nach dem obligatorischen Regeltest war Karsten Heine, Trainer von Hertha BSC (Amateure), zu einem Meinungsaustausch mit den Schiedsrichtern zu Gast. Es entstand ein interessantes und konstruktives Gespräch, in dem sowohl die Schiedsrichter als auch der ehemalige Bundesligatrainer ihre Sichtweisen darstellen konnten und kontrovers diskutierten. Heine wünschte sich für die Zukunft, dass es wieder mehr Schiedsrichter-Persönlichkeiten gebe und nicht mehr "standardisierte Schiedsrichter", die alle nach dem gleichen Muster entscheiden und handeln. Genau an diesem Persönlichkeitsmuster et das Schiedsrichter-Team Leistungskader konsequent, und die ersten Ergebnisse und Erfolge werden mehr und mehr sichtbar. 
Am zweiten Tag stand ein volles Programm auf dem Lehrplan. Zunächst war der Sportpsychologe Menno de Groth zu Gast und erläuterte durch Rollenspiele, Szenen und Bilder, wie die Körperpsrache auf andere Personen wirke und was man an ihr ablesen könne. Im Anschluss daran referierte der Vorsitzende des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes, Lutz Michael Fröhlich, der am Nachmittag das Schiedsrichter-Team des Bundesligaspiels Hertha BSC - Bayern München offiziell beobachtete, und erläuterte die optimale Spielvorbereitung eines Beobachters. Am Nachmittag verfolgten die Lehrgangs-Teilnehmer das Spiel im Olympiastadion, bei dem sich jeder Notizen zu einzelnen Situationen machte.
Nach der Begegnung war das Schiedsrichter-Team Dr. Markus Merk, Christian Schräer und Markus Wingenbach in der Sportschule zu Gast, und lutz Michael Fröhlich wertete gemeinsam mit den Teilnehmern das Spiel aus. Es ergab sich eine lebhafte und lang anhaltende Diskussionsrunde, bei der zahlreiche Fragen beantwortet werden konnten und der Unterschied zwischen einem Bundesligaspiel und Begegnungen im Landeverbandes aus Sicht eines Top-Schiedsrichters erläutert wurde.
Am letzten Lehrgangstag wurde an die Erfahrungen und Ergebnisse des bisherigen Lehrgangs angeknüpft und in mehreren Gruppen unter der Leitung des ehemalign NOFV-Oberliga-Schiedsrichters und jetzigen BFV-Gechäftsführers Dirk Brennecke diverse Merkmale erarbeitet, die ein Top-Schiedsrichter haben muss und die ihn von anderen Schiesrichter unterscheiden. 
Marcel Richter, Kaj Schumann 


Fuwo vom 21.1.2008

Schiris unter Beobachtung

 

Die Einführung sogenannter „Feedback – Karten“ erläuterte Jugend – Schiedsrichter – Ansetzer Uwe Specht. Mit vom Schiedsrichterausschuss verteilten Karten soll den Vereins – Trainern oder – Betreuern eine Übersicht über das Leistungsvermögen der Spielleiter ermittelt werden.
 
Jörg Halfter wird 70
Am Donnerstag feiert Jörg Halfter, einst als Schiedsrichter tätig und in zwischen längst beim Verbands – Spielausschuss als stellvertretender Vorsitzender im Einsatz, seinen 70. Geburtstag. Der frühere Kriminalhauptkommissar hat sich sein Leben lang im Fussball engagiert, trat 1950 dem SFC Stern 1900 bei und gehört nach einem kurzen Abstecher zum Polizei SV seit 1980 dem FC Hertha 03 an.
1954 machte Jörg Halfter eine Ausbildung zum Schiedsrichter, leitete neben 25 Zweitligaspielen auch diverse Pokal- und Länderpokalspiele und war als Linienrichter zudem in der Bundesliga im Einsatz. Nach dem Ende seiner Laufbahn im Jahre 1979 gehörte er noch 10 Jahre dem SR – Beobachterstab beim DFB an.
1994 wechselte er in den BFV – Spielausschuss, wurde zunächst Spielleiter in der Kreisliga B und ließ sich vor gut drei Jahren überreden, den wenig geliebten Posten des Frauenreferenten zu übernehmen. Über mangelnde Arbeit kann er sich seitdem nicht beklagen, doch seine Frau Rosi, mit der er seit 1965 verheiratet ist, unterstützt ihn nach Kräften (auch im Verband) und hat viel Verständnis für seine Ehrenämter und seine zahlreichen Hobbys. Weiterhin alles Gute!
 
Keine Probleme als Pädagoge
Schiedsrichter: Manfred Werner
Sportlehrer im Berliner Problembezirk Kreuzberg und trotzdem null Probleme mit den Schülern. Man glaubt es kaum. Trotzdem ist es so. Manfred Werner kann auf eine 35 – jährige Tätigkeit an Kreuzberger Grundschulen zurückblicken und sieht sein Wirken durchaus positiv. Ob es wohl am Pädagogikstudium gelegen hat?
Auch als Schiedsrichter ging alles glatt. Im Betriebssport amtiert er ab 1977 und beim BFV ab 1985, die Landesliga (BFV) bzw. Oberliga waren Endstation vor Erreichen der Altersgrenze. Im Betriebssport durfte er sogar ein Länderspiel pfeifen: Deutschland gegen Spanien, ein Höhepunkt in seinem Schiedsrichterwesen. Inzwischen ist er mit 58 Jahren noch im Seniorenbereich aktiv. Auch die Schiedsrichter im Betriebssport können auf ihn als Lehrwart zählen. Als Otto Höhne noch Direktor der Kreuzberger Lenau – Schule war, überredete er Manfred Werner im Bezirk den Schulfußballobmann – Posten zu übernehmen. Heute ist er einer der dienstältesten Obleute in Berlin.
Auf allen Sportplätzen begegnet der Sportlehrer immer wieder ehemaligen Schülern, die ihm auch als Sciedsrichter Respekt zollen. Bevor er Schiedsrichter wurde, spielte Manfred bis zu seinem Sportlehrerstudium beim BFC Südring Fußball, danach nur noch beim Bezirksamt Kreuzberg. Die Reinickendorfer Füchse nehmen gern seine Dienste als Schiedsrichter in Anspruch.
Schule und Fußballsport bilden seit jeher den Mittelpunkt seines Leben. In der verbleibenden Zeit ist er für seine Lebensgefährtin Jutta da, die seit 25 Jahren sein Treiben auf den Sportplätzen mit Distanz betrachtet. „Mt Fußball hat sie nichts am Hut, aber sie toleriert mein Hobby.“ Manfred Werner hat immer noch Spaß und Freude an der Pfeiferei, nachdem er eigentlich nur Regelkenntnisse erwerben wollte, als er sich vor 30 Jahren dazu entschloss, einen Schiedsrichterlehrgang zu besuchen. Viele freudige Erlebnisse haben dazu beigetragen. So auch die Aufstiegsfeier bei der FV Wannsee, zu er zusammen mit Rolf Angermund eingeladen war und bei der in der Raststätte Grunewald die Nacht zum Tage machte.

 


 

 

Die Einsamkeit der Schiedsrichter
Wer lügt? Wer profitiert? Wer will wem schaden? Wer sagt die Wahrheit? Der Skandal um den Referee Amerell erschüttert den Deutschen Fußball-Bund
Jan Christian Müller
FRANKFURT A. M. Die Öffentlichkeitsarbeiter des Deutschen Fußball-Bundes sind in diesen Tagen auffällig darum bemüht, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass im organisierten Fußball alles seinen wohlorganisierten Gang geht. Nahezu stündlich schieben sie Pressemitteilungen in den Verteiler: Ehrung der Sieger im DFB-Wettbewerb "Fair ist mehr"; Präsentation des Jugendbuches "Mit Gott sind wir ein starkes Team"; Steffi Jones, die Organisationschefin der Frauen-WM im nächsten Jahr, beglückwünscht Nigeria und Ghana zur Qualifikation für die Frauen-WM. Schlag auf Schlag geht das, so, als platze die DFB-Zentrale am Rand des Frankfurter Stadtwaldes, in der man zuständig ist für sechseinhalb Millionen Fußballspieler und achtzigtausend Schiedsrichter, vor guten Nachrichten. Aber so ist es natürlich nicht.
Auf den Fluren herrscht Nervosität, da reden die Mitarbeiter gar nicht drum herum. Zu viel ist passiert seit jener dritten Dezemberwoche. Es war ein düsterer Dienstag, an dem DFB-Chef Theo Zwanziger glaubte, in seinem Büro im ersten Stock mit Bundestrainer Joachim Löw "in einem sehr vertrauensvollen Gespräch" per Handschlag eine Vertragsverlängerung bis zu Europameisterschaft im Jahr 2012 verabredet zu haben. Zwei Tage später führte der junge Schiedsrichter Michael Kempter ein ähnlich vertrauensvolles Gespräch mit Volker Roth, dem Vorsitzenden des DFB-Schiedsrichter-Ausschusses. Er berichtete ihm von sexuellen Übergriffen des einflussreichen Schiedsrichter-Sprechers Manfred Amerell.
Stoff für einen Kriminalfilm
Seitdem ist nichts mehr, wie es war. Das Vieraugengespräch, dessen Inhalt zu diesem Zeitpunkt niemals hätte bekannt werden dürfen, geriet binnen 36 Stunden über den Präsidenten höchstpersönlich in die Medien - sehr zum Verdruss des Bundestrainers. Das zweite Vieraugengespräch, das einer dringenden internen Weiterleitung bedurft hätte, blieb dagegen nach derzeitigem Kenntnisstand vermutlich erst einmal wochenlang unbeachtet. Die Folgen waren in beiden Fällen verheerend und mündeten in ein kommunikatives Desaster, wie es der Präsident, der die Pressearbeit gerade erst völlig neu strukturiert hatte, in seiner nun sechsjährigen Amtszeit noch nie erleben musste. Der Respekt, den sich Theo Zwanziger über die Jahre durch geschickte Rhetorik und oft auch durch anpackendes Handeln erarbeitet hatte, ist binnen eines einzigen Monats aufgebraucht worden.
Selbst die ihm grundsätzlich gewogene Frankfurter Allgemeine Zeitung nennt den 64-jährigen Funktionär längst mitleidslos "Zick-Zack-Zwanziger". Dieser muss sich inzwischen ernsthaft sorgen, über die Affäre Amerell zu stolpern. "Der Präsident", sagen nahe Begleiter, wirke ein gutes halbes Jahr vor der geplanten Wiederwahl stark angeschlagen. Und weil er sich im eigenen Haus mit seinem stringentem Führungsstil längst nicht nur Freunde gemacht hat, hält sich das Mitgefühl in Grenzen. Schon muss sich Theo Zwanziger fragen, wie loyal der Generalsekretär Wolfgang Niersbach eigentlich noch an seiner Seite steht.
Die am 4. Februar peinlich gescheiterte Vertragssache mit Joachim Löw und dessen Vertrautem Oliver Bierhoff konnte Zwanziger ein paar Tage später mittels gemeinsamer Pressekonferenz und kollektiver Demutsbekundungen immerhin noch halbwegs retten, das heißt, auf nach der WM in Südafrika vertagen. Doch die Ruhe war trügerisch und hielt nur eine Nacht. Am 10. Februar schon sorgte ein eher unauffällig platzierter Artikel in der Frankfurter Rundschau für den Beginn einer öffentlichen Auseinandersetzung, die mit ihren Abgründen ausreichend Stoff für einen Kriminalfilm liefern könnte. "Vorwürfe gegen Amerell" lautete die Schlagzeile.
Niemand ahnte zu diesem Zeitpunkt, wie lang und schmutzig die Affäre sein würde, niemand weiß bis heute, was noch ans Licht kommt. Niemand kann letztgültig beurteilen, wer seitdem wo die Wahrheit gesagt hat oder nur die Halbwahrheit, oder wer ganz bestimmt auch glatt gelogen haben muss. Heute um ein Uhr mittags könnte eine Anhörung vor dem Landgericht in München für Erhellung sorgen. Der DFB, vertreten durch seinen Justiziar und einen gewieften Anwalt aus Berlin, und Manfred Amerell mit seinem Beistand streiten um zwei Passagen einer DFB-Presseerklärung.
Es wird erwartet, dass der 62-jährige Amerell, Hotelbesitzer in Augsburg, verheiratet, zweifacher Familienvater, im Gerichtssaal vor einer Hundertschaft Reporter ein über Jahrzehnte hinweg geführtes Doppelleben einräumen muss. Denn nur dann wird er schlüssig darlegen können, dass er mit dem 27-jährigen Schiedsrichter Michael Kempter ein Verhältnis hatte, das auf beiderseitigem Interesse beruhte. Kempter, der in den vergangenen Jahren auch mit Hilfe von Amerell zum jüngsten Fifa-Unparteiischen der DFB-Geschichte aufgestiegen ist, beteuert, er habe von Anfang an die sexuellen Annäherungen des Älteren abgelehnt. Um sich selbst und um andere Betroffene zu schützen, habe er seinen Fall öffentlich gemacht. Kempter zur Hilfe eilten inzwischen vier weitere junge Schiedsrichter, die Ähnliches erlebt haben wollen, einigen Reportern am Sonntag in einem Münchner Hotel zwar Rede und Antwort standen, ihre Namen aber anonym halten - aus Angst vor den Folgen ihrer Offenbarungen.
Sie sprechen vom "System Amerell", mit langen Autofahrten über einsame bayerische Landstraßen, mit unsittlichen Berührungen, gegen die sie sich nicht zu wehren wussten, weil sie einen Karriereknick fürchteten. Protegiert werden sie von Franz-Xaver Wack, bald 45 Jahre alt, einem stets braungebrannten Münchener Zahnarzt, früherer Fifa-Unparteiischer, aber längst nicht mehr unparteiisch. Er gilt als Vertrauensmann der vier jungen Schiedsrichter.
Franz-Xaver Wack hat seine eigene Schiedsrichterfunktionärs-Karriere vor drei Jahren beendet, angeblich aus Frust über die latente Nichtachtung durch Manfred Amerell. Der gewiss nicht uneitle Mann verabschiedete sich seinerzeit mit einem Zitat von Bertolt Brecht per E-Mail aus dem DFB: "Wenn ein Freund geht, muss man die Türe schließen, sonst wird es kalt." Was immer das genau bedeuten soll: Die Tür ist offenbar nie geschlossen worden.
Amerells Anwalt hat Wacks persönliche Zeilen bei einer Pressekonferenz am Montag in München genussvoll verlesen. Anliegen dieser Zusammenkunft war es, die noch immer bestehende Verbindung zwischen Franz-Xaver Wack und dem DFB zu interpretieren, im Zuge derer Wack früh an vertrauliche Informationen des FußballBundes gelangt sein soll. Aus Sicht des Anwalts ist Franz-Xaver Wack der eigentliche Drahtzieher eines Komplotts gegen Manfred Amerell, mit dem er seit 2007 in Feindschaft verbunden ist.
Wenn es denn so wäre, was außer einigen Medien und der Amerell-Seite kaum jemand glauben kann, wäre Theo Zwanziger am Ende. Aber warum, diese Frage stellt sich zwangsläufig, sollen fünf junge Schiedsrichter für ein Komplott gegen Amerell allesamt unter Eid die Unwahrheit sagen? Vielleicht, weil der eine oder andere alte Rechnungen begleichen will?
Und als wäre das alles nicht schon kompliziert genug, gibt es da auch noch die These vom schwulen Geheimbund deutscher Unparteiischer, einem weit verzweigten Netzwerk, protegiert von hoher Stelle, das nun der Süddeutsche Fußballverband unter Leitung des Ulmer Oberstaatsanwalts Wolfgang Zieher in einem Arbeitskreis aufspüren will. "Es gibt allerdings Leute", sagt ein Insider, "die das nicht gerne sehen."
Theo Zwanziger sagt jetzt, er wolle das "Schweigekartell aufbrechen", er werde nicht zulassen, dass Dinge unter den Teppich gekehrt werden. Vor kurzem hörte sich das noch ganz anders an: Deckel drauf, Akte zu. Inzwischen musste der Präsident einsehen, dass es ein schwerer Fehler war, die Akte Amerell so dermaßen inbrünstig für geschlossen zu erklären. Auch mit der Verweigerung der Akteneinsicht für die Gegenseite - juristisch unumstritten - hat Zwanziger in der Öffentlichkeit nicht punkten können, trotz eines anschließenden Interviewmarathons.
Auch Michael Kempter hat gesprochen, und auch ihm haben die Interviews nicht geholfen. Auf dem Fußballplatz pflegte er, sich durch intensive Körpersprache Respekt zu verschaffen. Gleich in seinem ersten Drittligaeinsatz Anfang des Jahrtausends - es spielten die Offenbacher Kickers gegen die zweite Mannschaft der Bayern - schickte er einen Offenbacher Spieler fünf Minuten vor Schluss vom Feld, weil dieser beim Freistoß zweimal zu früh aus der Mauer gelaufen war. Kempters Beobachter damals war Manfred Amerell, der seinen Zögling vor den wütenden Offenbachern schützte. Vor allem aber machte Kempter dann Karriere durch richtige Entscheidungen.
Der zuletzt zerbrechlich wirkende Mann mit dem zum Hahnenkamm gebürsteten Haaren könnte nun aber einen verhängnisvollen Fehler begangen haben, als er vergangene Woche in der Frankfurter Rundschau deutlich machte, er sei "nicht homosexuell". Es geht um seine Glaubwürdigkeit. Kempter, Kundenberater bei der Sparkasse, wohnt gemeinsam mit dem fünf Jahre jüngeren Bruder Robert, ebenfalls Schiedsrichter, noch zu Hause bei den Eltern in Sauldorf nahe dem Bodensee. Das Idyll ist nun stark gefährdet.
Der letzte Dienst
Denn sollte Kempter auch nur in dieser einen Frage nicht die Wahrheit gesagt haben, droht ihm das Karriereende als Elite-Referee. Aber was blieb ihm eigentlich anderes übrig? Denn auch dann, wenn er sich öffentlich geoutet hätte, wäre der Bruch wohl unvermeidlich gewesen.
Denn es ist immer noch Fußball. Fußball mit seinen verfilzten Denkstrukturen, die aufzubrechen Theo Zwanziger sich bislang nur in Sonntagsreden getraute. Spitzen-Schiedsrichter sind Einsamkeit gewohnt - gerade in einem Stadion mit Zehntausenden von Zuschauern. Die 3 800 Euro für ein Bundesligaspiel können für üble Beschimpfungen bis hin zu Morddrohungen kaum eine Entschädigung sein.
Die Tiraden, die ein schwuler Schiedsrichter, zumal nach einer solchen Affäre, in deutschen Fußballarenen ertragen müsste, sind das eine. Die Karriere beim Weltfußballverband Fifa ist das andere. Just zum Zeitpunkt seiner Offenbarung beim DFB ist Michael Kempter al
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